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König Ludwig III.

(1845-1921)

König Ludwig III. von Bayern, der 1845 in München geborene älteste Sohn des Prinzregenten Luitpold, übernahm mit dessen Tod am 12. Dezember 1912 das Amt seines Vaters. Aufgrund einer von seinen Ministern initiierten Verfassungsänderung wurde er am 8. November 1913 zum König von Bayern ausgerufen. Kritiker warfen ihm deswegen den Thronraub vor, da seine Ernennung während der formellen Herrschaft Otto I., dem geisteskranken Bruder König Ludwigs II., erfolgte.

Ludwig III. pflegte einen bürgernahen Lebensstil, die in zahlreichen Karikaturen dokumentierte Leidenschaft des „Milli-Bauern“ gehörte der Landwirtschaft. Vom Ersten Weltkrieg erhoffte er sich eine territoriale Ausweitung nicht nur Deutschlands, sondern auch Bayerns, um einer preußischen Dominanz entgegenhalten zu können. Beim Ausbruch der Revolution in München floh das Königspaar nach Salzburg, wo es in Schloss Anif Aufnahme fand.

Ludwig III. war der erste deutsche Monarch, der durch die Revolution gestürzt wurde. Am 13. November 1918 entband er Beamte, Offiziere und Soldaten von ihrem Treueid – die 738 Jahre währende Herrschaft der Wittelsbacher in Bayern war dadurch beendet. Er zog sich auf seine Güter in Ungarn zurück, kehrte jedoch 1920 nach Bayern zurück. Er starb am 18. Oktober 1921 auf seinem Gut Savár in Ungarn.

Kurt Eisner

(1867-1919)

Obgleich bis heute die wohl bekannteste Persönlichkeit der Revolution in München, stammte Kurt Eisner nicht aus Bayern. 1867 in Berlin als Sohn eines jüdischen Kaufmanns geboren, ging er mit Mitte 20 als Journalist nach Marburg. Von 1898 bis 1905 war Eisner Redakteur beim „Vorwärts“, nach seiner Entlassung arbeitete er in Nürnberg bei der „Fränkischen Tagespost“, bevor er 1910 als freier Schriftsteller in München tätig war. Seit 1898 Sozialdemokrat, beteiligte sich Kurt Eisner 1917 maßgeblich an der Gründung und dem Aufbau einer USPD-Ortsgruppe in München. Im Januar 1918 zählte er zu den Anführern des Rüstungsarbeiterstreiks in München und wurde für einige Zeit inhaftiert.

Auch die Revolution 1918 in München wurde von Eisner angeführt. Aber der erste Ministerpräsident stieß in der bayerischen Bevölkerung auf keine große Zustimmung. Nach seiner deutlichen Niederlage bei den Landtagswahlen zu Beginn des Jahres 1919 machte er sich am 21. Februar auf den Weg in den Landtag, um seinen Rücktritt bekannt zu geben. Kurz vor Erreichen des Landtagsgebäudes wurde Kurt Eisner in der Prannerstraße von dem Offizier Anton Graf Arco auf Valley erschossen. Der Trauerzug am 26. Februar, dem eine unübersehbare Menschenmenge folgte, wurde zur Demonstration für den ermordeten Ministerpräsidenten.

Arco-Valley, Anton von

(1897-1945)

Am 21. Februar 1919 verübte der Offizier Anton Graf Arco auf Valley ein Attentat auf Kurt Eisner, der sich nach seiner Niederlage bei den Landtagswahlen auf dem Weg in den Landtag befand, um seinen Rücktritt als Ministerpräsident bekanntzugeben. Nachdem er Eisner mit zwei Schüssen tödlich getroffen hatte wurde Arco von dessen Leibwächtern überwältigt und selbst schwer verletzt.

Im anschließenden Gerichtsprozess erhielt Arco, der aus nationalistischen und antisemitischen Motiven heraus gehandelt hatte, zunächst die Todesstrafe. Sie wurde jedoch in eine lebenslange Festungshaft abgemildert, aus der er aber bereits 1924 wieder entlassen wurde.

Auer, Erhard

(1874-1945)

Der aus Niederbayern stammende Erhard Auer war frühzeitig Anhänger der SPD und seit 1907 Mitglied des Bayerischen Landtags. Auer, der sich bei Kriegsende für eine parlamentarische Monarchie einsetzte, stand der Revolution ablehnend gegenüber, ging aber dennoch für die bayerische MSPD in die Regierung Eisner. Dass er für eine gemäßigte Reformpolitik eintrat und versuchte den Einfluss der Räte gering zu halten, brachte ihm das Misstrauen sozialistischer Gruppierungen ein. Als am 21. Februar das Attentat auf Kurt Eisner im Landtag bekannt wurde, feuerte der Arbeiterrat Alois Lindner mehrere Schüsse auf Erhard Auer ab, den er als Drahtzieher des Attentats sah. Auer überlebte schwer verletzt und wurde 1933 Vizepräsident des Landtags. Nach dem Rückzug seines Mentors, Georg von Vollmar, übernahm er des Weiteren die Führung der bayerischen SPD.

Eugen Leviné

(1883-1919)

Eugen Leviné wurde am 10. Mai 1883 in Petersburg als Sohn eines jüdischen Kaufmanns geboren, kam jedoch schon als Kind nach Deutschland. Von 1905 bis 1908 nahm er an der ersten Russischen Revolution teil. Nach seinem Studium der Nationalökonomie in Wiesbaden und Heidelberg, promovierte er 1914 und nahm die deutsche Staatsbürgerschaft an. 1915 wurde Leviné zum Militärdienst eingezogen, ein Jahr später aber als kriegsuntauglich entlassen. Daraufhin arbeitete er in Berlin als Redakteur der Telegrafenagentur „Rosta“. 1918 trat er der neugegründeten KPD bei. Im Nach seinem Eintritt in die neugegründete KPD 1918, wurde er 1919 nach München geschickt um die dortige KPD neu zu organisieren, wobei er ab dem 13. April den Vorsitz im Vollzugsrat übernahm. Zugleich arbeitet er als Chefredakteur der „Roten Fahne“. Nach der Niederschlagung der zweiten Revolution wurde Eugen Leviné zum Tod durch Erschießen verurteilt. Das Urteil wurde am 5. Juni 1919 im Gefängnis Stadelheim vollzogen.

Johannes Hoffmann

(1867-1930)

Johannes Hoffmann wurde am 3. Juli 1867 in Ilbesheim in der damals zu Bayern zugehörigen Pfalz geboren. Trotz fehelendem gymnasialen Abschluss ergriff er den Beruf eines Volksschullehrers. Während seiner Tätigkeit in Kaiserslautern wandelte er sich unter dem Eindruck der Verhältnisse vom Liberalen zum Sozialdemokraten. Besonders die Bildungspolitik lag ihm am Herzen. 1908 kandidierte er für den Landtag, 1912 zog er in den Reichstag ein. Kurt Eisner holte ihn als Minister für Unterricht und Kultus nach München. Im März 1919 wurde Hoffmann als Kompromisskandidat der bürgerlichen Parteien zum Ministerpräsidenten in der Nachfolge Eisners gewählt. Als überzeugter Anhänger der parlamentarischen Demokratie bekämpfte Hoffmann die Münchner Räterepublik. Dass er zur Wiederherstellung der Ordnung die politische Verantwortung für das Blutvergießen übernehmen musste und reaktionären Gegenkräften den Weg bahnte, gehört zur persönlichen Tragik dieses Mannes, der weder die Revolution noch die Gegenrevolution gewollt hatte. Nach dem Sieg der Gegenrevolution blieb er bis zu seinem Sturz 1920 im Amt. Politisch isoliert, starb Johannes Hoffmann am 15. Dezember 1930 in Berlin.

 

Gustav Landauer

(1870-1919)

Gustav Landauer wurde 1870 in Karlsruhe geboren. Er studierte in Heidelberg, Berlin und Straßburg die Fächer Literatur und Philosophie. Mit Anfang 20 wurde er Mitglied des Vereins Unabhängiger Sozialisten, dessen anarchistischen Flügel er anführte. Stets Gegner des Weltkriegs, folgte er im November der Bitte Kurt Eisners, nach München zu kommen und dort an der Revolution mitzuwirken. In der „Baierischen Räterepublik“ hatte er das Amt des Beauftragten für Volksaufklärung inne, wo er vor allem idealistischen Vorstellungen nachging, die große soziale Not aber nicht lindern konnte. Nach Übernahme der „Baierischen Räterepublik“ durch die KPD zog er sich nach nur drei Tagen aus der Politik zurück. Im Zuge der Niederschlagung der Räterepublik wurde Landauer, längst nicht mehr politisch aktiv, festgenommen. Nur einen Tag nach seiner Verhaftung am 1. Mai 1919 starb er im Gefängnis von Stadelheim. Mitglieder der Freikorps hatten ihn brutal ermordet.

Max Levien

(1885-1937)

Im Dezember 1918 wurde Max Levien von der Führung des Spartakusbundes nach München geschickt, um dort eine lokale Ortsgruppe zu gründen. Fortan propagierte er, Bayern so rasch wie möglich in eine Räterepublik umzuwandeln. Im März 1919 wurde Levien in der Führung der Münchner Kommunisten durch Eugen Leviné abgelöst, während der kommunistischen Räterepublik wurde er in den Vollzugsrat gewählt. Nach der Niederschlagung der zweiten Räterepublik konnte sich Levien der Gefangennahme durch die Regierungstruppen entziehen und wanderte 1921 nach Sowjetrussland aus.

Erich Mühsam

(1878-1934)

Der Räterepublik Ernst Tollers gehörte auch sein Schriftstellerkollege Erich Mühsam an. Im Jahr 1878 geboren und in Lübeck aufgewachsen, ging Mühsam um die Jahrhundertwende als freier Schriftsteller nach Berlin. Dort lernte er einige seiner späteren Weggefährten, unter ihnen Gustav Landauer, kennen. Nach Aufenthalten in der Schweiz, in Italien und in Frankreich ließ sich Erich Mühsam 1909 in München nieder. Bereits in seiner Berliner Zeit war er als aktiver Anarchist unter Polizeiaufsicht gestanden. Auch in München betätigte sich Mühsam zusammen mit Johannes Nohl und Gustav Landauers Sozialistischem Bund politisch. Ein besonderes Augenmerk schenkte Mühsam dem sogenannten fünften Stand. In dieser häufig auch als „Lumpenproletariat“ denunzierten Bevölkerungsgruppe bemühte sich Mühsam um die Entwicklung von Solidarität und Zusammenhalt. Hierdurch weckte er erneut die Aufmerksamkeit der Polizei und musste sich 1910 in einem Verfahren gegen den Vorwurf der Geheimbündelei verteidigen. Im Ersten Weltkrieg vertrat Mühsam die Auffassung, dass der Krieg durch Revolution beendet werden müsse. Er nahm an Diskussionsabenden teil, die Kurt Eisner seit 1916 abhielt, doch noch 1917 entzweiten sich die beiden, nach Aussage Mühsams aufgrund ihrer unterschiedlichen Ansichten über die Russische Revolution. Die revolutionäre Aktion, die Eisner am 7. November 1918 in Szene setzte, traf ihn daher unvorbereitet. Mühsam wurde als Mitglied des Münchner Arbeiterrates beim Putschversuch im April 1919 von der republikanischen Schutztruppe ergriffen und im fränkischen Ebrach inhaftiert. 1924 wurde er aus der Haft entlassen und ging nach Berlin, wo er weiterhin für seine Ideale eintrat. Im Zusammenhang mit dem Reichstagsbrand am 27. Februar 1933 wurde er als NS-Gegner inhaftiert und kam später in das Konzentrationslager Oranienburg. Dort wurde Erich Mühsam am 10. Juli 1934 ermordet.

Ernst Niekisch

(1889-1967)

Geboren am 23. Mai 1889 in Trebnitz/Preußen als Sohn eines Feilenhauers, wurde Ernst Niekisch Volksschullehrer in Augsburg. 1917 trat er der MSPD bei. Als im Zuge der Revolution auch in Augsburg Räte gebildet wurden, wählte man ihn zum Vorsitzenden des Arbeiter- und Soldatenrates. Im Januar 1919 wurde er des Weiteren Vorsitzender des zentralen Gremiums der bayerischen Arbeiterräte, dem Vollzugsrat der Arbeiterräte. Im Zentralrat, der sich nach der Ermordung Kurt Eisners gebildet hatte, übernahm Ernst Niekisch ebenfalls den Vorsitz. In dieser Funktion leitete er auch die Sitzungen des kurz darauf einberufenen Kongresses der bayerischen Arbeiter-, Bauern- und Soldatenräte, der über die politische Zukunft Bayerns entscheiden sollte. Niekisch versuchte mäßigend in den Sitzungen zu wirken. Bei Ausrufung der Räterepublik am 7. April 1919 wurde er der erste Vorsitzende des Revolutionären Zentralrats, trat jedoch bereits zwei Tage später von seinem Amt zurück.

Aufgrund seiner Beteiligung in den Rätegremien wurde Niekisch 1919 wegen Beihilfe zum Hochverrat verurteilt. Nach seiner Haftentlassung übte er zunächst sein seit 1919 bestehendes Landtagsmandat für die USPD aus. 1923 legte er dieses Mandat nieder und wurde Sekretär des Deutschen Textilarbeiterverbands in Berlin. In der von ihm herausgegeben Zeitschrift „Der Widerstand“ und in anderen Publikationen trat er für eine nationalbolschewistische, antiwestliche Politik ein. Als Gegner Hitlers, den er als zu inkonsequent in der Verfolgung nationalsozialistischer Ziele kritisierte, wurde Niekisch 1939 zu lebenslanger Zuchthaushaft verurteilt. 1945 wurde er von den Alliierten aus dem Zuchthaus Brandenburg-Goerden befreit. Schwer gezeichnet von der Haft, ging er nach Berlin (Ost) und wurde Mitglied in der KPD, später der SED und übernahm 1948 eine Professur für Soziologie an der Humboldt-Universität. Nach der Niederschlagung des Aufstands vom 17. Juni 1953 stand er dem DDR-Regime zunehmend kritisch gegenüber. 1967 starb Ernst Niekisch in Berlin (West).

Ernst Toller

(1893-1939)

Als Ernst Niekisch sein Amt als Zentralratsvorsitzender aufgab, folgte ihm der erst 25-jährige Literat Ernst Toller. Toller wurde 1893 in Samotschin im heutigen Polen als Sohn eines jüdischen Kaufmanns geboren und verbrachte die ersten Jahre seines Studiums in Frankreich. Wie Mühsam und Eisner zählte Toller nicht von Anfang an zu den Gegnern des Krieges. Er hatte sich 1914 als Freiwilliger gemeldet, wurde jedoch drei Jahre später aus gesundheitlichen Gründen vom Kriegsdienst freigestellt. Seither setzte sich Toller für eine Beendigung des Krieges ein. Auch er forderte nun die Revolution und ging mit Kurt Eisner nach München. In der Ära Eisner unter anderem zweiter Vorsitzender des Zentralrats, übernahm Toller nach dem Attentat auf Eisner am 21. Februar 1919 den Vorsitz in der Münchner USPD. In der ersten Räterepublik wurde er Vorsitzender des Revolutionären Zentralrats. Trotz seiner pazifistischen Haltung beteiligte er sich im Mai 1919 an den Kämpfen um München als Abschnittskommandant der Roten Armee in Dachau. Nach dem Sturz der kommunistischen Räterepublik wurde Ernst Toller zu fünf Jahren Festungshaft verurteilt. Nach seiner Entlassung 1924 ging er nach Berlin, wo er weiterhin für Pazifismus und gegen Faschismus kämpfte. Im Zuge der Machtübernahme durch Adolf Hitler wurde Toller 1933 ausgebürgert und ging über die Schweiz und Großbritannien nach New York. Dort nahm er sich am 22. Mai 1939 das Leben.