Seitenübersicht

Der Landtag 1966-1970 (6. Legislaturperiode)

Sitzungsdauer: 02.12.1966-01.10.1970
Wahl Rudolf Hanauers zum Landtagspräsidenten
Wahl Rudolf Hanauers zum Landtagspräsidenten
1966, Fotografie
© Bayerischer Landtag, München

Der Ausgang der Landtagswahl am 20. November 1966 ist überraschend: Die CSU kann ihre Gewinne im Vergleich zu 1962 noch ausbauen und erreicht 48,1% der Stimmen (110 Mandate), obwohl der bundespolitische Trend in die entgegengesetzte Richtung geht. Auch die SPD legt leicht zu (35,8%, 79 Mandate). Die FDP scheitert dagegen an der Zehnprozent-Hürde auf Wahlkreisebene, obwohl sie landesweit bei 5,1% liegt. Auch die Bayernpartei ist nicht mehr im Parlament vertreten.
Die negative Überraschung bildet der Einzug der NPD in den Bayerischen Landtag. Die neue rechtsextreme Partei erzielt landesweit 7,4% und zieht mit 15 Abgeordneten in den Landtag ein, da sie in Mittelfranken die Zehnprozent-Hürde deutlich überspringt. Schon in der von Alterspräsident Wilhelm Hoegner (SPD) eröffneten Konstituierenden Sitzung des neuen Landtags kommt es am 2. Dezember 1966 zu verbalen Auseinandersetzungen mit der neuen rechten Fraktion, die vergeblich einen Vizepräsidenten-Posten einfordert. Die beiden großen Fraktionen von CSU und SPD hatten zuvor eine Geschäftsordnungsänderung vereinbart (d`Hondtsches Verteilungsverfahren), die dies verhindert.
Präsident des Bayerischen Landtags wird erneut Rudolf Hanauer (CSU), der mit der überwältigenden Mehrheit von 185 (von 200) Stimmen gewählt wird. Sein erster Stellvertreter wird der 80-jährige frühere Ministerpräsident Wilhelm Hoegner (SPD). Drei Tage nach dieser Sitzung wird Alfons Goppel (CSU) erneut zum Ministerpräsidenten gewählt. Seiner Staatsregierung gehören ausschließlich CSU-Mitglieder an. Goppels Stellvertreter wird Landwirtschaftsminister Alois Hundhammer, der im Laufe der Legislaturperiode aus gesundheitlichen Gründen von Hans Eisenmann abgelöst wird (11. März 1969).
Die Regierungserklärung vom 25. Januar 1967 ist von den im Freistaat deutlich spürbaren rezessiven Tendenzen geprägt: Goppel will in dieser Legislaturperiode sparen, zugleich aber die Rahmenbedingungen für die bayerische Wirtschaft verbessern. Deshalb sollen auch Bildungs- und Hochschulpolitik nach wie vor im Zentrum der Entscheidungen der Staatsregierung stehen.
In diesem Bereich liegt einer der Schwerpunkte der politischen Auseinandersetzungen der nächsten vier Jahre: Nachdem die SPD-Fraktion am 9. Mai 1967 schon in Erster Lesung mit einem Gesetzentwurf über die christliche Gemeinschaftsschule an der CSU-Mehrheit scheitert, starten die Sozialdemokraten ein Volksbegehren. Die CSU zieht nach, und so liegen gegen Jahresende 1967 zwei erfolgreiche Volksbegehren, initiiert von den beiden großen Landtagsfraktionen vor.
Mit Hilfe des CSU-Vorsitzenden Franz Josef Strauß, der sich über die Widerstände der Kurie hinwegsetzt, einigen sich die Kontrahenten doch noch auf einen Kompromiss: Am 30. April 1968 beschließt das Plenum mit großer Mehrheit eine Reform des Schulartikels in der Verfassung, der die Gemeinschaftsschule künftig zur Regel macht. Der notwendige Volksentscheid über diesen Landtagsbeschluss erhält am 7. Juli 1968 mit 78,4% eine große Mehrheit.
Auch hochschulpolitisch werden wichtige Weichen gestellt: Am 17. Dezember 1969 wird die Einrichtung einer - fünften - Landesuniversität in Augsburg beschlossen. Zudem stellen die beiden großen Fraktionen von CSU und SPD im Juli 1970 Anträge zur Gründung von Universitäten in Bayreuth, Passau und Bamberg. Am 30. September 1970 wird das Fachhochschulgesetz beschlossen.
Darüber hinaus ist die Legislaturperiode von verschiedenen, heftigen Auseinandersetzungen im Plenum geprägt, die sich am Auftreten der NPD-Abgeordneten entzünden. Bei der Verabschiedung des Gesetzes über die Wahlkampfkostenerstattung (30. April 1968) kommt es fast zu Handgreiflichkeiten zwischen NPD- und SPD-Parlamentariern.
Die gesellschaftlichen Umbrüche werfen ihre Schatten voraus und bestimmen mitunter auch die Arbeit des bayerischen Parlaments. Dies lässt sich zum einen daran ablesen, dass die studentischen Unruhen 1968 Gegenstand von Landtagsdebatten werden; zum anderen manifestiert sich diese Entwicklung in signifikanten parlamentarischen Entscheidungen, wie beispielweise der Herabsetzung des Wahlalters auf 18 bzw. 21 Jahre (Wählbarkeit) am 17. März 1970.

Peter Jakob Kock, Der Bayerische Landtag. Eine Chronik. Würzburg 1996. S. 164-185.

Gesetzgebung:

30.01.1968: Verabschiedung des Finanzplanungsgesetzes
19.06.1968: Einführung der Aktuellen Stunde im Landtag zur Belebung der Parlamentsarbeit
04.02.1969: Feierstunde zum 150. Geburtstag des Bayerischen Landtags
11.06.1969: Einstimmiger Beschluss über die Einrichtung eines "Nationalparks Bayerischer Wald"
27.01.1970: Gesetz über die Untersuchungsausschüsse (gegen die Stimmen der SPD-Fraktion)
29.09.1970: Landwirtschaftsförderungsgesetz (einstimmig)

Die Mitglieder des Landtages:

Präsidium
Präsident:Hanauer, Rudolf
1.Vizepräsident:Hoegner, Dr. Wilhelm
2.Vizepräsident:Nüssel, Simon
1.Schriftführer:Gräßler, Fritz
2.Schriftführerin:Zehner, Zita
3.Schriftführer:Schmidramsl, Hanns Martin
4.Schriftführerin:Westphal, Hedwig
5.Schriftführerin:Schleicher, Marielies
6.Schriftführer:Schlittmeier, Dr. Andreas
Abgeordnete
CSU
Christlich Soziale Union
Adelberger, Alfons
Arnold, Friedrich
Bauer, Josef
Bauerreiß, Hans
Binder, Max
Bundschuh, Waltraud
Dasch, Valentin
Deimer, Josef
Deininger, Leonhard
Dick, Alfred
Diethei, Paul
Eberhard, Rudolf
Eisenmann, Hans
Fendt, Georg
Feury, Otto Freiherr von
Fickler, Jakob
Fink, Hugo
Fischer, Max
Freundl, Otto
Frühwald, Konrad (jun.)
Fuchs, Karl
Gaksch, Franz
Gaßner, Alfons
Gerstl, Max
Goppel, Alfons
Haisch, Andreas
Hanauer, Rudolf
Held, Philipp
Helmschrott, Josef
Hemmerlein, Georg
Hempfling, Baptist
Heubl, Franz
Heydte, Friedrich August Freiherr von der
Hillermeier, Karl
Hofmeister, Josef
Höpfinger, Stefan
Huber, Ludwig
Huber, Sebastian
Hundhammer, Alois
Jaumann, Anton
Junker, Heinrich
Kaps, Peter
Kiefer, Josef
Kiesl, Erich
Klughammer, Alois
Krauß, Georg
Lauerbach, Erwin
Lechner, Ernst
Leicht, Justin
Lippert, Franz
Lucke, Willi
Mack, Georg
Mergler, Emil
Merk, Bruno
Merkt, Hans
Messner, Roland-Friedrich
Meyer, Albert
Meyer, Otto
Müller, Werner
Müller-Hahl, Bernhard
Neundorfer, Joseph
Nüssel, Simon
Oberle, Karl
Pflüger, Heinrich
Pirkl, Fritz
Pöhner, Konrad
Popp, Hans
Praml, Heinrich
Prümmer, Franz von
Raß, Hans
Rau, Hans
Rauter, Konrad
Reißenweber, Rudolf
Röhrl, Wilhelm
Roßkopf, Rudolf
Rupp, Ludwig
Sackmann, Franz
Sauer, Erich
Schäfer, Karl
Schaller, Willy
Schedl, Otto
Schleicher, Marielies
Schmidramsl, Hanns Martin
Schmitt, Philipp
Schnell, Peter
Scholl, Georg
Schosser, Erich
Schreiber, Hans
Schuster, Georg
Seidl, Alfred
Soenning, Rudolf
Speth, Friedrich
Staudacher, Anton
Stein, Erwin
Steinberger, Walter
Streibl, Max
Stuhlberger, Matthias
Suttner, Bernhard
Vilgertshofer, Lorenz
Vorndran, Wilhelm
Vöth, Reinhold
Wacher, Gerhard
Wagner, Richard
Warnke, Jürgen
Weig, Franz
Weinzierl, Alfons
Weiß, Hans
Weißkopf, Friedrich
Wengenmeier, Richard
Wiederer geb. Hummel, Maria
Wilhelm, Friedrich
Wimmer, Johann
Winkler, Wilhelm
Winklhofer, Hans
Wölfel, Gustav
Wösner, Hermann
Wünsche, Paul
Zehner, Zita
Zeißner, Walter
Zenz, Hermann
SPD
Sozialdemokratische Partei Deutschlands
Adelmann, Kurt
Albrecht, Heinrich
Bayerl, Alfons
Böddrich, Jürgen
Börner, Alfred
Bothner, Max
Buchauer, Wilhelm
Cremer, Friedrich
Degen, Anton
Demeter, Hans
Dönhuber, Sebastian
Drechsel, Ewald
Drexler, Ferdinand
Eberle, Rudolf
Essl, Erwin
Fink, Otto
Fischer, Walter
Förster, Franz
Friedrich, Hans
Fröhlich, Friedrich Karl
Gabert, Volkmar
Galuschka, Walter
Geiser, Martin
Gentner, Fritz
Gerstl, Alfons
Gradl, Josef
Gräßler, Fritz
Haase, Horst
Härtl, Adolf
Haselmayr, Luise
Heckscher, Berthold
Heiden, Leonhard
Hochleitner, Anton
Hoegner, Wilhelm
Hofmann, Werner
Höllrigl, Hans
Irlinger, Willy
Jaud, Ludwig
Kamm, Bertold
Kaub, Reinhold
Kiene, Josef
Knoeringen, Waldemar Freiherr von
Kramer, Hans
Kronawitter, Georg
Kuhbandner, Valentin
Laufer, Gerda
Lettenbauer, Adolf
Loos, Martin
Mauler, Ferdinand
Mohrmann, Otto
Müller, Richard
Oechsle, Richard
Ospald, Hermann
Reiland, Willi
Rothemund, Helmut
Rummel, Oskar
Ruttmann, Josef
Schaller, Gabriel
Schlichtinger, Rudolf
Schlittmeier, Andreas
Schneider, Wilhelm (Willi)
Schneier, Heinrich
Schöfberger, Rudolf
Schraut, Ludwig
Seibel-Emmerling, Lieselotte
Seifert, Franz Peter
Sichler, Franz
Soldmann, Oskar
Sommer, Alfred
Sonntag, Karl
Stamm, Nikolaus
Stechele, Josef
Stiefvater, Hermann
Syring, Hans-Willi
Weber, Fritz
Weich, Georg
Weilmaier, Anton
Weishäupl, Karl
Welsch, Louis
Westphal, Hedwig
Zankl, Rudolf
Zeitler, Erich
Zink, Peter
NPD
Nationaldemokratische Partei Deutschlands
Bachmann, Walter
Brandner, Walter (bis 31.12.1966)
Dehner, Gundolf
Feitenhansl, Karl
Heinze, Helmut Bruno
Herrmannsdörfer, Benno (Austritt am 22.07.1970)
Lang, Karl
Pöhlmann, Siegfried
Raab, Max
Richter, Dietrich
Roß, Wolfgang
Schmitt, Artur
Simm, Hermann (bis 01.11.1970)
fraktionslosBrandner, Walter (ab 01.05.1967, davor NPD)
Herrmannsdörfer, Benno (ab 22.07.1970, davor NPD))
Simm, Hermann (ab 01.11.1970, davor NPD)

Minister / Kabinette:

Kabinett Goppel II (05.12.1966-08.12.1970)
Ministerpräsident:Goppel, Dr.h.c. Alfons (CSU)
stv. Ministerpräsident:Hundhammer, Dr.Dr. Alois (CSU)
Schedl, Dr. Otto (CSU) (ab 11.03.1969)
Innenminister:Merk, Dr. Bruno (CSU)
Staatssekretär:Fink, Hugo (CSU)
Justizminister:Held, Dr. Philipp (CSU)
Staatssekretär:Bauer, Josef (CSU)
Kultusminister:Huber, Dr.Dr. Ludwig (CSU)
Staatssekretär:Lauerbach, Erwin (CSU)
Finanzminister:Pöhner, Dr. Konrad (CSU)
Staatssekretär:Jaumann, Anton (CSU)
Wirtschaftsminister:Schedl, Dr. Otto (CSU)
Staatssekretär:Sackmann, Franz (CSU)
Landwirtschaftsminister:Hundhammer, Dr.Dr. Alois (CSU)
Eisenmann, Dr. Hans (CSU) (ab 11.03.1969)
Staatssekretär:Vilgertshofer, Lorenz (CSU)
Arbeitsminister:Pirkl, Dr. Fritz (CSU)
Staatssekretär:Hillermeier, Dr. Karl (CSU)
Minister für Bundesangelegenheiten:Heubl, Dr. Franz (CSU)

Wahlergebnisse:

Protokolle:

Auf der Website des Bayerischen Landtags können Sie die Sitzungsprotokolle dieser Legislaturperiode lesen.

> zur Liste der Protokolle (externer Link in neuem Fenster)

Zurück